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Schon vor 1974 haben die USA deutlich gemacht, dass sie
vitale Interessen im Nahen Osten und im Iran haben: Öl. Und je mehr das Öl in
der Weltwirtschaft gebraucht wurde ‑ Ölkonzerne also gute
Geschäfte damit machen konnten – um so stärker kümmerten sie sich um die
Gegend. Jetzt, da es knapper wird, ein Ende der Öl-Zeit abzusehen ist, wollen
sie zu ihrem Nutzen und Frommen den Nahen und Mittleren Osten grundlegend
„stabilisieren“, indem sie in „demokratisieren“. Täglich hören wir von den
Fortschritten in Afghanistan und Irak.
Den Iran hatten die USA schon mal stabilisiert: Sie
hatten eine Regierung, die den freien Abtransport des Öls durch amerikanische
und britische Konzerne unterbinden wollte, beseitigt und einen Kaiser
inthronisiert, der auf den Namen Schah hörte und sehr verläßlich mit den USA
zusammen zu arbeiten bereit war.
Diesen Bündnispartner – und mit ihm „sein“ Land - verloren sie, als 1979 eine revolutionäre Opposition die iranische Nation dem fremdländischen Einfluß entzog und stattdessen die islamische Religion als Richtschnur der nationalen Politik installierte. Seitdem mögen sich die beiden Regierungen nicht mehr und ihre Völker machen diese Feindschaft brav mit. |
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So auch jetzt, da die iranische Regierung Atomkraftwerke
baut und sich verdächtig macht, sich damit auch Atombomben verschaffen zu
wollen, weil sie Kapaziäten für die Urananreicherung schafft. Dies
angereicherte Uran braucht sie als „Brennstoff“ für ihre AKWs. Sie könnte
sich damit aber auch Bomben bauen. Obwohl es mit den Mitteln des Iran SEHR,
SEHR, SEHR lange dauern würde, bis sie mit den USA (7650 Sprengköpfe)
gleichgezogen hätten, mögen die USA das GAR nicht, wie sie ja insgesamt die
islamische Regierung gern weg-modernisieren möchten. Und wie immer, wenn die
USA einen Feind ins Visier nehmen, beruft sie sich darauf, den Willen der
Weltgemeinschaft vollstrecken zu müssen. Nun hat sich EIN Mitglied der
Weltgemeinschaft der gerechten Sache angenommen und dem Teheraner Regime mal
Bescheid gesagt:
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„Paris droht
Terrorregimen mit dem Einsatz von Nuklearwaffen“
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Akzeptabel sind solche Waffen (aus
französischer Sicht) nur, wenn ein Staat sie sich bereits erworben hat und
sie einsetzt, um einen Krieg abzukürzen und Eindruck auf ALLE Mächte der Welt
zu machen, wie in Hiroshima. Oder um sie als Mittel der Drohung, der
Erpressung einzusetzen, wie Frankreich das jetzt tut. Vielleicht ist es aber
auch noch einfacher: Akzeptabel sind nur Atomwaffen, die zur Durchsetzung
UNSERER (französischen, je nach dem auch : amerikanischen) vitalen Interessen
zur Verfügung stehen, völlig inakzeptabel solche, die sich dieser
Durchsetzung entgegenstellen lassen.
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Frankreich macht dem Iran also Druck. Ganz, wie bestellt:
„Über den weiteren Fortgang fand Baradei (der Chef der
Internationalen Atom Energie Agentur) deutliche
Worte: "Diplomatie braucht eine
Rückendeckung durch Druck, im Extremfall durch den Einsatz
von Gewalt. Wir müssen alles tun, um den Regeln
durch Überzeugung Geltung zu verschaffen. Wenn dies nicht gelingt, muß man
sie durchsetzen.““ Die Welt 17.01.2006
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Die Mächte, die Atomwaffen
haben, und sie – wie man an diesen Zitaten sieht – einsetzen, um andere
Staaten zu erpressen, möchten nicht, dass die Erpressten sich dieselben
Erpressungsmittel verschaffen. Dann wüchse das Risiko der Erpresser – ein
Albtraum, findet der französische Obermilitär.
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„Die Definition der ´vitalen Interessen´ Frankreichs
(deren Verletzung Militärschläge nach sich zieht) läßt Chirac weiter in
strategisch gewollter Unschärfe, aber er hat zumindest präzisiert, dass die
Zufuhr von strategischen Versorgungsgütern – damit sind in erster Linie Erdöl
und Erdgas gemeint – dazu zählt.“
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Zufuhr nach Frankreich, na ja,
nach Europa, heißt: Abfuhr aus dem Nahen und Mittleren Osten.
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Wenn man nun bedenkt, dass der Iran die zweitgrößten
Erdölreserven der Welt und die größten Erdgasreserven der Welt besitzt, kann man
nachvollziehen, dass die dort Herrschenden sich Gedanken darüber machen, wie
sie auf eine räuberische Erpressung reagieren könnten. Und wenn es um ihre
Selbstbehauptung geht, kommt es ihnen auf ein paar zehn- oder auch
hunderttausend Tote nicht an.
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Wie ja Herrn Chirac auch nicht, der sich freut, dass
durch die Umrüstung seiner force de frappe jetzt nicht mehr die „Alternative
des Nichtstuns oder der vollständigen Vernichtung“ steht, sondern dass
Frankreich nunmehr in der Lage ist „die wirtschaftlichen, politischen und
militärischen Entscheidungszentren solcher Terrorregime ´chirurgisch präzise´
zu zerstören, ohne große Verluste in der Zivilbevölkerung“. FAZ 21.01.2006
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Nun kennen wir die ´chirurgisch präzisen´ Schläge aus den
3 Kriegen der letzten 7 Jahre, in denen sie auch mal eine Botschaft oder
ein Krankenhaus getroffen haben und IMMER mit „Kollateralschäden“ verbunden
waren, die jeweils sehr bedauert wurden. Dabei wurden konventionelle
Sprengköpfe eingesetzt mit der Sprengkraft von, sagen wir mal, 1 Tonne TNT.
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Wie chirurgisch das aussieht, wenn 12500 Tonnen TNT
explodieren, kann man sich auf den Bildern von Hiroshima ansehen. Die
Atomsprengköpfe, die die USA in Europa lagern, haben die sechsfache
Sprengkraft der Hiroshima-Bombe und da werden ihnen die Franzosen ja auch
wieder nicht nachstehen wollen....
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Hinzu kommt, dass diese Schläge – es mutet satirisch an –
die „letzte Warnung“ darstellen sollen. Wenn so ein Terrorregime auch danach
noch nicht tut, wie ihm befohlen, gibt es als Ereignis, vor dem ja
nachdrücklich gewarnt wurde, auch noch die „vollständige Vernichtung“.
Vermutlich ist dafür nur ein Bruchteil der 350 französischen Atomsprengköpfe
notwendig.
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Aber dahin soll es ja gar nicht kommen, Henri Bentégeat
meint: „HEUTE wäre das komplett verrückt. Vielleicht werden wir eines Tages
dazu kommen, ABER heute haben die Diplomaten das Wort und es sind NOCH NICHT
alle Verhandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft.“ FAZ 21.01.2006
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Die Ankündigung heißt: „Wir haben Atomkrieg im Programm.“
Erhebt sich nun ein Sturm der Entrüstung ? Zum Beispiel in der Presse ? Oder
bei den Bürgern ? Wie reagiert die deutsche Politik auf die französische Ankündigung, dass der Iran damit
rechnen muß, von der Landkarte zu verschwinden, wenn er sich den Atommächten
nicht beugt ?
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Frau Merkel, die beliebteste Bundeskanzlerin, die wir je
hatten, hat Chirac öffentlich nicht widersprochen, sondern sich befremdet
über die „Debatte“ in der deutschen Öffentlichkeit gezeigt, ihm also den
Rücken gestärkt. Ihr Sprecher hat aber darauf hingewiesen, dass Deutschland
andere Akzente setzt. Steinmeier (Außen) und Jung (Verteidigung) haben
Wirtschaftssanktionen angekündigt, wenn der Iran nicht einlenkt. Und haben
damit als Haltung der Regierung bekannt gegeben, dass sie eine Eskalation
mitträgt.
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Und die von Merkel monierte „Debatte“, die hatte es in
sich, oder? DLF-Nachrichten am 20.01.2006: „Die Äußerungen des französischen
Staatspräsidenten Jacques Chirac zum Einsatz von Atomwaffen gegen so genannte
Terrorstaaten stoßen in Deutschland auf scharfe Kritik. (Da sind wir ja gespannt, scharfe Kritik, also...) Westerwelle sagte, es gebe keine Notwendigkeit, den
Einsatz von Atomwaffen als Drohung in die Weltdiskussion einzuführen.“ (Er meinte wohl, dass es reichen würde, die Drohung in
den Verhandlungen auf den Tisch zu legen. Wirklich: Scharfe Kritik.)
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Aber das ist wirklich eine Frage:
Warum wurde das ganze so öffentlich
verhandelt? Ganz einfach:
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Wenn
Chirac das öffentlich sagt, dann möchte er, dass es die Öffentlichkeit in
Europa hört. Sie soll damit bekannt gemacht werden, dass die Erpressung mit
Atomwaffen zu den Gepflogenheiten auch der europäischen Außenpolitik gehört.
Und dem Iran die Illusion nehmen, dass 1.) sich die USA und die
Führungsmächte der EU vielleicht über ein militärisches Vorgehen nicht
einigen könnten, weil 2.) die EU
Rücksicht auf den „Pazifismus“ ihrer Bürger nehmen müßte. DAS Argument ist
jetzt ja wohl vom Tisch.
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Chirac
hat sehr geschickt diesen großen Schritt Europas
aus dem Schatten der USA auf die Atomkriegs-Bühne an Hand einer Herausforderung
getan, bei der die USA Europa dankbar sein sollten, wenn es sich an seiner
Seite als atomwaqffeneinsatzbereiter Partner mit (scheinbar oder zunächst)
denselben Zielen aufbaut. Eben, als eigenständige Weltmacht, noch an
der Seite der USA.
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„Nun bleibt zu hoffen, dass die, die Chirac meint, einen
Rest von Vernunft bewahrt haben". SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
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Vernunft heißt hier ausschließlich: Bereitschaft zur
Unterordnung. „Bleibt zu hoffen, dass die Irren von Teheran (BILD) sich unterordnen, sonst hat ihr
Volk nichts zu lachen. Täte uns leid, können wir aber nichts dran ändern. WIR
sind nämlich vernünftig.“
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„Voll nach der Devise: Alles was
Bush kann, das kann ich viel besser. Eine überzeugende Drohkulisse sieht
anders aus", findet die NEUE PRESSE. |
Überzeugend ist die Androhung von Atomschlägen für die NP
nur, wenn die USA sie äußern. Denen traut sie sowas zu. Aber Frankreich ?!
Wieso eigentlich nicht? Reichen 350 Sprengköpfe nicht? Nein, die NP meint zu
wissen, dass letztlich nur die USA über so einen Einsatz entscheiden dürfen.
Wenn Herr Chirac das aber nun anders sieht und sich Frau Merkel und Herr
Blair anschließen würden ??
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„Doch Frankreich zieht mit
seiner Drohgebärde nur die Konsequenz aus den vergeblichen Bemühungen, die
Mullahs in der Islamischen Republik mit freundlicher Diplomatie zum Einlenken
zu bewegen", betont die CELLESCHE ZEITUNG. |
Die CZ würde nach dem Schlag wahrscheinlich schreiben:
„Der Westen hatte vorher ja wirklich alles versucht“, ohne sich Rechenschaft
darüber abzulegen, was der Westen vom Iran verlangt.
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„Die Verschärfung des Konflikts
mit dem Iran ist vorprogrammiert. Es ist spätestens jetzt fünf vor
zwölf", meint die OLDENBURGISCHE VOLKSZEITUNG und findet das nicht gut. |
Aber die Verschärfung des
Konflikts war ja gerade das Ziel des Vortrags. Teheran soll merken, dass es 5
vor 12 ist, möchte Chirac. |
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Die SÜDWEST
PRESSE aus Ulm hält fest, dass Chiracs Drohung nicht neu sei:
"Bereits nach seinem Amtsantritt hat er die atomare Abrüstung seines
Vorgängers gestoppt und setzt nun ein Viertel seines Rüstungs-Etats für eine
Neuausrichtung seiner Atommacht ein: |
Ja klar, hätte er sich das
gestern erst überlegt, wäre er heute noch nicht fertig mit der Umrüstung.
Nicht neu heißt aber nicht, dass es in Ordnung ist. |
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Nicht mehr die politische
Abschreckung wie im Kalten Krieg ist das Ziel, sondern die konkrete
militärische Möglichkeit, 'regionalen Mächten zu antworten, die Frankreich mit atomaren,
chemischen oder biologischen Waffen bedrohen'. |
Auch im Kalten Krieg wurde mit
dem Einsatz der immer moderneren Atomwaffen kalkuliert. Nur so konnte der
Westen den diplomatischen Druck entfalten, der ihm schließlich den Sieg
gebracht hat. „bedrohen oder in Zukunft
bedrohen würden oder vielleicht in Zukunft bedrohen könnten.... |
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Ahmadinedschad versichert nach
wie vor, dass der Iran lediglich friedliche Absichten mit seinem Atomprogramm
verfolgt. Aber wie glaubwürdig ist dies bei einem Land, dass zu den weltweit
größten Ölexporteuren gehört?", fragt NATIONEN aus Oslo. |
Hören wir nicht gerade, dass die
Ölvorräte zu Ende gehen, dass die Atomkraftwerke in Deutschland deswegen
nicht abgeschaltet werden dürfen? |
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Die amerikanische Zeitung WASHINGTON
POST kommentiert die Rolle der USA: "Washington kommt es
darauf an, den Streit über das iranische Atomprogramm nicht von der
grundsätzlichen Herausforderung zu trennen. Sie besteht in der
unberechenbaren Rolle Teherans und in den möglichen Auswirkungen auf den
gesamten Nahen Osten. Die USA signalisieren Teheran, dass sie die
Modernisierung des Landes grundsätzlich unterstützen, sieht man vom Bereich
der Atomwaffen einmal ab. Grob umrissen könnte das Ziel der amerikanischen
Politik folgendermaßen lauten: |
Die USA möchten vermeiden, dass
der Rest der Welt seine Gegnerschaft gegen den Iran fallen läßt, wenn der auf
die Urananreicherung verzichtet, weil sie den Nahen Osten grundsätzlich neu
ordnen möchten um sicherzugehen, dass sie (und der Westen ???) das iranische
Erdöl und Erdgas nutzen können, bis es alle ist und nicht etwa ... andere. Und Modernisierung heißt,
Installation eines Regierungssystems, das so sicher funktioniert, wie die
Demokratien in USA und Europa. Eines Systems, das sich bemüht, jeden Protest
in einen systemkonformen und einen radikalen Flügel zu spalten, dann den
systemkonformen aufnimmt, ins System einbaut und ihm damit neue Energie für
die Durchsetzung „vitaler Interessen“ nach innen und außen verschafft. Und
die radikale Opposition mit ALLEN Mitteln bekämpft – gegebenenfalls nachdem
ihre Träger ins Ausland verschleppt worden sind. Und dieses System soll für
„die Weltgemeinschaft“ zweierlei sicherstellen: 1. Sichere Abfuhr,
solange noch was zu holen ist und |
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Siehe
auch Sicherheitspolitk