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Fidel Castro
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Der Teil zu
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Rede vor
den Vereinten Nationen am 26. 09.1960 |
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Das Problem
Kubas? Vielleicht wissen einige von Ihnen Bescheid, andere vielleicht nicht -
das hängt von den Informationsquellen ab. Doch ohne jeden Zweifel ist das
Problem Kubas, das seit zwei Jahren besteht, für die Welt ein neues Problem. Die Welt
hatte kaum Gründe zu wissen, dass es Kuba überhaupt gab. Für viele war es
gewissermaßen ein Anhängsel der Vereinigten Staaten und viele amerikanische
Bürger hielten Kuba in der Tat für eine
Kolonie der Vereinigten Staaten. Auf der Landharte, da war es anders:
Auf der Landkarte hatten wir eine andere Farbe als die Vereinigten
Staaten - und in Wirklichkeit auch. |
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Und wie ist
unser- Land eine Kolonie der Vereinigten
Staaten geworden? |
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Doch Kuba war – wie Adams, der Präsident der
Vereinigten Staaten, am Anfang des letzten Jahrhunderts sagte, eine Frucht,
ein Apfel am spanischen Baum und dazu bestimmt, sobald er reif sei, den
Vereinigten Staaten in die Hände zu fallen. Die spanische Macht hat sich an
unsrem Land erschöpft. Spanien fehlte es an Menschen wie an ökonomischen
Mitteln, den Krieg gegen Kuba fortzusetzen. Spanien war geschlagen. Der Apfel
schien reif zu sein und die Regierung der Vereinigten Staaten streckte die
Hand aus. Es fiel nicht nur ein Apfel: Mehrere sind in ihre Hände gefallen.
Es fiel Puerto-Rico, das heldenmütige Puerto-Rico, das seinen
Unabhängigkeitskampf zur gleichen Zeit begonnen hatte wie Kuba; die
Philippinen und verschiedene andere spanischen Bestzungen sind gleichermaßen
gefallen. |
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Doch um unser Land zu beherrschen konnte man
nicht auf dieselbe Art verfahren. Unser Land hatte einen heftigen Kampf
geführt und die Weltmeinung sprach für uns . Die Methoden mussten bei uns
andere sein. |
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Die Kubaner, die für ihre Unabhängigkeit
kämpften, die zu dieser Zeit ihr Blut und ihr Leben hingaben, vertrauten
schließlich einer Resolution des Kongresses der Vereinigten Staaten vom
20. April 1898, die erklärte, dass Kuba von Rechts wegen frei und
unabhängig sei und sein solle. Die amerikanische Bevölkerung sympathisierte
mit Kubas Kampf. Jene öffentliche Resolution war ein Gesetz des Kongresses,
mit dem die Vereinigten Staaten Spanien den Krieg erklärten. Doch diese
Hoffnung sollte bald einer schlimmen Enttäuschung Platz machen. Nach zwei
Jahren militärischer Besatzung geschah das Unerwartete. Im selben Augenblick,
da das Kubanische Volk, vertreten durch eine konstituierende Versammlung, die
Verfassung der Republik ausarbeitete, verkündete der Kongress der Vereinigten
Staaten ein neues Gesetz, auf Vorschlag des Senators Platt (traurigen Angedenkens
für Kuba), ein Gesetz, wonach die kubanische Verfassung einen Zusatz
erhalten müsse, der der Regierung der Vereinigten Staaten das Recht einräume,
in die Politik Kubas einzugreifen und überdies das Recht, bestimmte
Territorien zu pachten, um dort Flottenstützpunkte oder Kohlendepots zu
errichten. So musste also, kraft eines Gesetzes, das ein fremdes Land
erließ, die Verfassung unseres Landes jene Bestimmung enthalten und man gab
denen, die unsere Verfassung ausarbeiteten, deutlich zu verstehen, dass, falls
sie diesen Zusatz nicht aufnähmen, die Besatzungstruppen nicht abgezogen
würden. Mit anderen Worten ein fremdes Land maßte sich das Recht an, in
unsere Verfassung einzugreifen und Flottenstützpunkte in unserem Land zu
errichten. |
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Es ist gut, wenn die jüngst zu dieser
Organisation zugelassenen Völker, die Völker, die heute unabhängig zu leben
beginnen, die Geschichte unseres Landes vor Augen haben, denn es könnte ihnen
auf ihrem Weg Ähnliches begegnen. Wo nicht die Delegierten von heute, wo werden
vielleicht ihre Kinder oder Kindeskinder eine ähnliche Situation erleben, mag
es auch kaum so aussehen, als könnte man heut zu Tage noch so weit gehen. |
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Dann begann also die zweite Kolonialisierung
unseres Landes: Aufkauf der besten Agrarflächen durch nordamerikanische
Gesellschaften, Konzessionen für die natürlichen Hilfsmittel unseres Landes,
für Bergwerke, für öffentliche Verkehrsmittel zwecks Ausbeutung dieser
Verkehrsmittel, Handelskonzessionen, Konzessionen aller Art, die in
Verbindung mit dem verfassungsmäßigen Recht der Intervention – einem uns
gewaltsam aufgezwungenen Recht – unser Vaterland bald aus einer spanischen
Kolonie in eine Kolonie der Vereinigten Staaten verwandelten. |
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Kolonien haben kein Mitspracherecht. Die Welt
lernt sie erst an dem Tage kennen, an dem sie die Chance nutzen, sich Gehör
zu verschaffen . Deshalb wusste die Welt nichts von unserer Kolonie, eben so
wenig wie sie von unseren Problemen wusste: in den Geographiebüchern eine weitere
Flagge, ein weiteres Wappen, auf den Landkarten eine weitere Farbe. Aber es
gab dort unten keine unabhängige Republik. Niemand täusche sich – wer sich in
die Irre führen lässt, macht sich zum Gespött - es gab dort unten keine
unabhängige Republik. Es gab eine Kolonie und der dort zu befehlen hatte, war
der Gesandte der Vereinigten Staaten. Wir schämen uns nicht, dies öffentlich
zu verkünden, denn neben dieser Scham steht heute der Stolz, sagen zu können,
dass keine Gesandtschaft mehr unser Land regiert. Unser Land wird vom Volk
regiert. (...) |
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Die revolutionäre Regierung machte ihre ersten
Schritte.
Ihre erste Maßnahme bestand darin, die Wohnungsmieten um 50 % zu senken.
Das war eine sehr gerechte Maßnahe, denn einige Familien mussten bis zu einem
Drittel ihres Einkommens für die Miete aufwenden. Das Volk war das Opfer
großer Spekulationen auf dem Wohnungs- und Grundstücksmarkt gewesen; den
Nachteil hatte die Volkswirtschaft. Als die revolutionäre Regierung die
Mieten um 50 % senkte, gab es Protest und Unzufriedenheit seitens der Haus-
und Grundstücksbesitzer, gegen die sich diese
Mietsenkung richtete. Die Bevölkerung jedoch strömte freudeschreiend auf die
Straße, so wie das in jedem andern Land geschähe, selbst hier in New York,
wenn die Mieten um 50 Prozent gesenkt würden. Die nordamerikanischen
Monopolgesellschaften machten noch keine wesentlichen Schwierigkeiten, denn
sie besaßen nur wenige große Mietshäuser. |
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Dann wurde
ein anderes Gesetz erlassen, das alle Konzessionen annullierte, die
die diktatorische Regierung Fulgencio Batistas der Telefongesellschaft,
einem nordamerikanischen Monopol, eingeräumt hatte. Dank der Wehrlosigkeit
der Bevölkerung hatte sich diese Gesellschaft übermäßige Konzessionen
sichern können. Die revolutionäre Regierung annullierte diese Konzessionen
und brachte die Fernmeldegebühren wieder auf den alten Stand. Hier nun kam es
zum ersten Konflikt mit den nordamerikanischen Monopolen. - |
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Die dritte
Maßnahme bestand in der Senkung der
Elektrizitätstarife, der höchsten in der ganzen
Welt. Das führte zum zweiten Konflikt mit den nordamerikanischen Monopolen.
In jenem Augenblick begann man uns für Kommunisten zu halten. Man schimpfte
uns Rote, wahrscheinlich weil wir auf die Interessen der nordamerikanischen
Monopole gestoßen waren. |
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Dann wurde
ein weiteres Gesetz erlassen, ein unverjährbares und unvermeidliches Gesetz,
unvermeidlich für unser Vaterland und unvermeidlich auf kurz oder lang für
alle Völker der Welt, zumindest für alle diejenigen Völker, die es noch nicht
angenommen haben: das Gesetz der Agrarreform.
Theoretisch sind sich alle über die Agrarreform einig. Niemand sträubt sich
dagegen; niemand, es sei denn ein Ignorant, vermag abzustreiten, dass die
Agrarreform in den unterentwickelten Ländern eine wesentliche Bedingung für
den ökonomischen Fortschritt ist. Auch in Kuba waren selbst die Gutsbesitzer
mit der Agrarreform einverstanden, doch mit einer Reform nach ihrem
Geschmack, so wie viele Theoretiker sie sich vorstellen: eine Agrarreform;
die auf keinen Fall verwirklicht werden darf, solange sie sich vermeiden
lässt. |
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Die Agrarreform
ist eine Sache, die von den Wirtschaftsausschüssen der Vereinten Nationen
gutgeheißen wird, eine Sache, über die keinerlei Meinungsverschiedenheiten
herrschen. In unserem Land war sie unerlässlich: Mehr als 200 000
Bauernfamilien sind verhungert, weil sie kein Stück Erde besaßen, auf dem sie
die lebensnotwendigen Nahrungsmittel hätten ernten können. Ohne Agrarreform hätte unser Land
nicht den ersten Schritt zur ökonomischen Entwicklung tun können. War es eine radikale Reform? War sie wirklich radikal? Es war keine
wirklich radikale Reform. Wir haben eine Agrarreform durchgeführt, die den
Erfordernissen unserer Entwicklung, den Möglichkeiten, der
landwirtschaftlichen Entwicklung angepasst war; das heißt eine Reform, die
das Problem der landlosen Bauern löste, das Problem der Produktion aller
lebenswichtigen Nahrungsmittel löste, das ungeheure Problem der ländlichen
Arbeitslosigkeit löste, und die auch dem schrecklichen Elend ein Ende
bereitete, das wir auf den Feldern unseres Landes angetroffen haben. |
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Hier erhob sich
die erste, wirkliche Schwierigkeit. In der benachbarten Republik Guatemala
war es ebenso. Als in Guatemala eine Agrarreform verkündet wurde, begannen
die Schwierigkeiten. Und ich sage den Vertretern Lateinamerikas, Afrikas und
Asiens in aller Offenheit: Wenn Euer Land beschließen wird, eine gerechte
Agrarreform durchzuführen, so könnt Ihr
Euch darauf gefasst machen, in eine
ähnliche Situation zu geraten wie
wir, besonders wenn die wichtigsten und besten Ländereien nordamerikanischen
Monopolgesellschaften gehören, wie es in Kuba der Fall war. |
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Sofort stellte
sich das Problem der Entschädigung.
Wir erhielten Noten vom State Department der Vereinigten Staaten. Niemals
sprach das State Department von unseren Problemen. Niemals, nicht einmal aus
Mitleid oder aufgrund seines hohen Maßes an Verantwortung, hat uns das State
Department danach gefragt, wie viele Menschen in unserem Land verhungerten,
wie hoch die Sterblichkeitsziffer und die der Arbeitslosen lag. Nein, niemals
hat es ein Gefühl der Solidarität hinsichtlich unserer Bedürfnisse bewiesen.
Alle Gespräche der Vertreter der amerikanischen Regierung drehten sich um die
Telefongesellschaft, die Elektrizitätsgesellschaft und um das Problem der
Ländereien, die den amerikanischen Gesellschaften gehörten. Wie würden wir
zahlen? Natürlich musste man sich als erstes fragen: Womit würden wir zahlen? Nicht wie, sondern womit.
Können Sie sich vorstellen, dass ein armes, unterentwickeltes Land, das 600
000 Arbeitslose hatte, einen sehr hohen Prozentsatz an Analphabeten und
Kranken, dessen Reserven erschöpft waren, das der Wirtschaft eines mächtigen
Landes innerhalb von zehn Jahren fast eine Milliarde Dollar zugeführt hatte,
dass dieses Land noch etwas besaß, womit es die Ländereien, die im Rahmen des
Agrargesetzes verteilt worden waren, hätte bezahlen
können, um die Vereinigten Staaten für ihre verletzten Interessen zu
entschädigen? Zumal unter den vom State Department gestellten Bedingungen? |
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Wir waren noch
keine hundertfünfzigprozentigen Kommunisten. Wir waren erst rosa. Wir
konfiszierten nicht einfach die Ländereien. Wir schlugen vor, sie innerhalb
von zwanzig Jahren zu bezahlen und in der
einzigen uns möglichen Form, nämlich mit Schuldscheinen, zurückzahlbar
innerhalb von zwanzig Jahren, mit einem Zins von 4,5 Prozent und jährlicher
Tilgung. |
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Wie hätten wir
die Ländereien in Dollar bezahlen
können?. Wie hätten wir sofort zahlen können? Wie hätten wir den Preis zahlen
können, den man von uns forderte? Es war absurd. Alle Welt wird verstehen,
vor welch einer Entscheidung wir unter solchen Bedingungen standen: |
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Wenn wir sie
nicht durchführten, würde die furchtbare wirtschaftliche Lage in unserem Land
endlos fortdauern. Wenn wir sie durchführten, dann setzten wir uns dem Hass
der Regierung unseres mächtigen Nachbarn im Norden aus. |
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Wir haben die
Agrarreform durchgeführt. Mag sein, dass einem Vertreter zum Beispiel
Hollands oder eines anderen europäischen Landes die von uns festgelegte Größe
der Besitzungen erstaunlich vorkommt. Sie mag erstaunlich sein.. Die
Höchstgrenze; die unser Agrargesetz vorsah, lag bei vierhundert Hektar. In
Europa sind vierhundert Hektar eine sehr große Besitzung. In Kuba; wo einige
amerikanische Monopolgesellschaften bis zu zweihunderttausend Hektar besaßen
- ich wiederhole: zweihunderttausend, für den Fall, dass sich jemand verhört zu haben glaubt - war eine Agrarreform,
die die Höchstgrenze auf vierhundert Hektar herabsetzte, für diese Monopole
unannehmbar. |
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Aber nicht nur
die Ländereien; auch die ertragreichsten Bergwerke waren in unserem Land
Eigentum der amerikanischen Monopole. Kuba hat zum Beispiel sehr viele
Nickelvorkommen. Sie werden alle von amerikanischen Interessengruppen
ausgebeutet. Unter dem diktatorischen Regime Batistas hatte eine
amerikanische Gesellschaft, die Moa Bay, eine so gewichtige Konzession erhalten, dass sie in nur fünf Jahren eine Investition von 120
Millionen Dollar amortisieren konnte. 120 Millionen Dollar,
amortisierbar innerhalb von fünf Jahren! Wer hatte der Moa Bay durch
Vermittlung der amerikanischen Regierung diese Konzession gewährt? Einzig und
allein die diktatorische Regierung Fulgencio Batistas, eine Regierung, die in
Kuba die Interessen der amerikanischen Monopole verteidigte. |
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Es ist eine Tatsache, dass es sich um eine steuerfreie Konzession
handelte. Was aber hinterließen uns diese amerikanischen Gesellschaften, als
sie Kuba räumten? Sie hinterließen den Kubanern nur die Bergwerke, den Boden,
verarmtes Land, ohne im geringsten zur ökonomischen Entwicklung beigetragen
zu haben. |
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Die revolutionäre Regierung verkündete ein
Bergbaugesetz, das diese Monopole zwang, eine Steuer von 25 Prozent auf den Export von
Erzen zu zahlen. Das war schon eine allzu kühne Haltung der revolutionären
Regierung; sie geriet in Konflikt mit den. Interessen des internationalen
Telefontrusts, mit den Interessen des internationalen Erztrusts, mit den
Interessen der United
Fruit, desgleichen
mit den mächtigen Interessen der Vereinigten Staaten, die alle, wie Sie
wissen, eng miteinander verbunden sind. |
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Das war mehr, als die Regierung der Vereinigten Staaten
von Amerika, das heißt die Vertreter der amerikanischen Monopole, dulden
konnten. Es begann eine neue Periode der Hetze gegen unsere Revolution. (...
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Es begann die Drohung mit dem Zuckerkontingent; es
begann die wohlfeile Philosophie des Imperialismus, der Kuba gegenüber
soviel Edelmut an den Tag gelegt hätte - den egoistischen Edelmut des
Ausbeuters - und so viel Güte; denn dieser Imperialismus hat uns unseren
Zucker zu einem Vorzugspreis abgekauft, den er als eine Subvention
betrachtete; es handelte sich um die Subvention für einen Zucker, der für
die Kubaner nicht eben gezuckert war, denn die besten Zuckerrohrplantagen
gehörten nicht den Kubanern, kein Kubaner war im Besitz einer Zuckerfabrik.
Zu diesem Zeitpunkt konnte jeder die Wahrheit über den kubanischen Zucker,
die Wahrheit über die unserem Land auferlegten Opfer erfahren. |
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Vorher war von Kontingenten nie die Rede gewesen, man
sprach von Zolltarifen. Aufgrund der zwischen dem Hai und der Sardine
bestehenden Gesetze oder Pakte, aufgrund dieses angeblich wechselseitigen
Übereinkommens hatten sich die Vereinigten Staaten eine Reihe vorteilhafter
Konzessionen verschafft, die ihnen gestatteten, auf dem kubanischen Markt jegliche
Konkurrenz der Produkte ihrer englischen und französischen Freunde
auszuschalten - wie das unter Freunden so häufig vorkommt. Als Gegengabe
wurden uns gewisse Zollkonzessionen für Zucker bewilligt, die. jedoch
einseitig abgeändert werden konnten, wenn dem Kongress oder der Regierung der
Vereinigten Staaten der Sinn danach stand. So, dass der kubanische Zucker auf
dem amerikanischen Markt benachteiligt war. |
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Als jedoch das Parlamentes seinen
Interessen dienlich fand, senkte es die Tarife. Es galt damals, an dem Ort;
der den Vereinigten Staaten am nächsten lag, eine Versorgungsquelle für
Zucker sicherzustellen, und während des ersten Weltkriegs, als der Zucker auf
dem Weltmarkt einen außerordentlich hohen Preis erreichte, verkauften wir
den unsrigen sehr billig an die Vereinigten Staaten, obgleich wir ihre
einzige Versorgungsquelle waren. Bei. Kriegsende mussten wir den
Zusammenbruch unserer Wirtschaft feststellen und die bei der Verteilung
dieses Rohstoffs begangenen Fehler teuer bezahlen. |
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Die Zolltarife hatten einen
ungeheuren Aufschwung genommen; nach dem Krieg war die Zuckerproduktion
forciert worden, so sehr, dass die Preise sanken und den Zusammenbruch
unserer Wirtschaft herbeiführten. Mit Hilfe dieses Preissturzes konnten sich
die amerikanischen Banken und Monopole der Ländereien bemächtigen und über
die Zuckergesellschaften herfallen, während die Kubaner immer ärmer wurden,
bereicherten sich die amerikanische Banken an Kuba. Die Situation ist sich
bis
in die dreißiger Jahre hinein gleich geblieben. Die Regierung der
Vereinigten Staaten bemühte sich, eine Formel zu finden, die ihre
Bedürfnisse der Zuckerversorgung mit den Interessen ihrer eigenen
Produzenten in Übereinstimmung brachte; sie errichtete ein System der
Kontingentierung, das den Anteil der verschiedenen Versorgungsquellen am
Markt festsetzte. Kuba gehörte damals zu den Hoflieferanten der Vereinigten
Staaten, mit mindestens 50 Prozent. Als man jedoch die Kontingentierung einführte,
wurde diese Marktposition , auch durch die nachfolgenden Gesetze,
allmählich eliminiert. |
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Natürlich, die Kolonie war vom
Mutterland abhängig. Die Kolonie musste ihm untertan sein, und als sie
endlich Maßnahmen ergriff, sich vom Mutterland freizumachen, setzte dieses
alles daran, einen solchen Versuch niederzuschlagen. Der Abhängigkeit unserer
Wirtschaft von ihrem Markt bewusst, hat die Regierung der Vereinigten Staaten
damit begonnen, uns zu warnen, uns Noten zu
schicken, uns anzudrohen, dass die Kontingente jederzeit reduziert werden
könnten. |
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Doch daneben
waren noch andere Bestrebungen am Werk, ich meine die konterrevolutionären
Bestrebungen. Eines Nachmittags hat ein aus Norden kommendes Flugzeug unsere
Zuckerrohrplantagen überflogen und eine Bombe abgeworfen. Das war ein außergewöhnliches Ereignis, und wir wussten, woher
dieses Flugzeug kam. An einem anderen Nachmittag hat wiederum ein Flugzeug die
Zuckerrohrfelder überflogen und Brandbomben abgeworfen. Diese Flüge wurden zur Regel. (...) Es galt, Kuba zu ruinieren. |
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Glaubte die
Regierung der Vereinigten Staaten wirklich, was sie sagte; als sie
versicherte, die Agrarreform werde einen Rückgang der Produktion nach sich ziehen? Vielleicht glaubte sie es. Es
ist nur logisch, dass jeder das glaubt, was zu glauben er sich vorgenommen
hat. Möglicherweise stellte sie
sich vor, dass die Kubaner zur Zuckerproduktion unfähig
seien, wenn die Monopole sich dieser nicht mehr annähmen. Vielleicht stand es
für sie fest, dass wir unser Land in den Ruin führen würden; doch wenn die Revolution das Land
in
den Ruin geführt hätte, wären die
Vereinigten Staaten nicht mehr, genötigt gewesen, uns anzugreifen. |
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Sie hätten uns
allein gelassen, sie hätten als ein edelmütiges und gütiges Land gegolten und
wir selbst als Leute, die die Nation ruinieren; man hätte uns als Beispiel
dafür angeführt, dass Revolutionen die Länder ruinieren. Doch so war es
nicht: Das Beispiel Kubas hat im
Gegenteil bewiesen, dass Revolutionen die Länder nicht
ruinieren. Dieser Beweis wurde von der kubanischen Regierung erbracht, die
zwar auch viele andere Dinge gezeigt hat, aber vor allem, ich wiederhole es,
dass Revolutionen die Länder nicht ruinieren, während die imperialistischen
Regierungen sehr wohl fähig sind, dies anzustreben. |
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Kuba hat sich nicht ruiniert, es musste also
ruiniert werden. Kuba brauchte
für seine Produkte neue Absatzmärkte, und wir können in allen Ehren
irgendeine der hier anwesenden Delegationen fragen, ob sie nicht den Wunsch
hat, dass ihr Land die Artikel, die es produziert, auch verkaufe; ob sie nicht -wünscht,
dass die Exporte des Landes, das
sie vertritt, gesteigert werden. Wir hatten also den
Wunsch, unsere Exporte zu steigern; das möchten alle Länder; es muss also ein
allgemeines Gesetz sein und nur ein egoistisches Interesse kann sich gegen
das allgemeine Interesse stemmen, gegen Handelsbeziehungen, eines der
ältesten Bedürfnisse der Menschheit. |
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Wir wollten
unsere Produktion absetzen. Wir haben uns auf die Suche nach neuen Märkten
begeben. Wir haben ein Handelsabkommen mit der Sowjetunion geschlossen und verkauften
ihr eine Million Tonnen Zucker gegen eine bestimmte Menge sowjetischer
Produkte. Niemand wird sagen, das sei nicht korrekt. Aber manche werden
sagen, das widerspräche gewissen Interessen. Doch wir brauchten das State
Department nicht um die Erlaubnis zu fragen, ob wir mit der Sowjetunion ein
Handelsabkommen abschließen dürfen, denn wir betrachteten uns als ein
wirklich freies Land, als das wir uns auch heute betrachten und immer
betrachten werden. Während also die Zuckerhalden zum größten Nutzen unserer
Wirtschaft zu schwinden begannen, hat man uns den Schlag versetzt. Auf
Verlangen der Exekutive der Vereinigten Staaten nahm der Kongress ein Gesetz
an, das die Exekutive ermächtigte, die Zuckerimporte aus Kuba in dem Maß
einzuschränken, wie es ihr angemessen schien. Man griff unsere Revolution mit der
ökonomischen Waffe an. Für die Rechtfertigung dieser Maßnahme hatten die
Journalisten schon gesorgt. Die Kampagne war seit langem geführt worden; denn
Monopole und Publicity sind hierzulande, wie Sie alle sehr wohl wissen, zwei
absolut identische Dinge. - |
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Man griff also
zur ökonomischen Waffe. Man reduzierte mit einem Schlag unser Kontingent um
fast eine Million Tonnen - Zucker, der schon produziert und für den Markt
der Vereinigten Staaten bestimmt war - mit der Absicht, unser Land der für
seine Entwicklung notwendigen Mittel zu berauben, mit der Absicht, es auf die
Knie zu zwingen; und mit dem Ziel, auf politischer Ebene Resultate zu
erhalten. |
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Diese Maßnahme,
die ökonomische Aggression, wird - wie alle Vertreter der
lateinamerikanischen Länder wissen - vom internationalen Recht ausdrücklich
verurteilt. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat dieses Recht verletzt.
Sie hat zur ökonomischen Waffe gegriffen. Sie- reduzierte unser Zuckerkontingent
um fast eine Million Tonnen, weiter nichts. Sie konnte es tun. Und was konnte
Kuba tun angesichts dieser Realität? Sich an die Vereinten Nationen wenden,
um dort die politische und ökonomische Aggression anzuprangern, um dort die
Überfälle von Luftpiraten anzuprangern, um dort das ständige Eingreifen der
amerikanischen Regierung in die Politik unseres Landes, die subversive
Kampagne gegen die revolutionäre Regierung Kubas anzuprangern. (... ) |
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Die Organisation der
Vereinten Nationen befasste sich mit unserem Problem und verlangte von der
Organisation Amerikanischer Staaten eine Untersuchung. Die OAS trat zusammen.
Ausgezeichnet. Doch was konnte man von ihr erwarten? (... ) Die Regierung
der Vereinigten Staaten wurde für die 6o Überfälle der Piratenflugzeuge nicht
verurteilt; sie wurde weder verurteilt für ihre ökonomische Aggression noch
für zahlreiche andere Aggressionen. Nein. Man verurteilte die Sowjetunion.
Welch erstaunliches Ergebnis! |
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Die Schwierigkeiten, die dem kubanischen Volk von der
imperialistischen Regierung der Vereinigten Staaten bereitet wurden, sind die
gleichen Schwierigkeiten, die Saudi-Arabien, der Iran oder der Irak zu
überwinden hätten, falls sie ihr Petroleum verstaatlichten; die gleichen
Schwierigkeiten, die Ägypten hatte, als es den Suez-Kanal verstaatlichte -
und gut verstaatlichte; die Indonesien
hatte, als es um seine Unabhängigkeit kämpfte. Überfall auf Ägypten, Überfall
auf den Kongo: Hat es den Kolonialisten und Imperialisten je an einem Vorwand
für eine Invasion gefehlt? Nie. (... ) |
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Freiheit, das bedeutet nicht das Recht auf eine Flagge,
auf Landesfarben, auf eine Delegation bei den Vereinten Nationen. Wenn wir von
Freiheit sprechen, denken wir an ein anderes Recht, ein Recht, das unsere
Völker in jüngster Zeit auf vielen Versammlungen proklamiert haben. Wir sprechen
von dem Recht aller noch wenig entwickelten Völker, ihre natürlichen
Hilfsmittel zu verstaatlichen, ohne die Monopole für ihre Investitionen in
diesen Ländern zu entschädigen. Wir kämpfen für die Verstaatlichung der
natürlichen Hilfsmittel und der ausländischen Investitionen in den
unterentwickelten Ländern. Und wenn die hochindustrialisierten Länder ein
Gleiches zu tun wünschen - wir haben nichts dagegen. |
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Damit ein Land wirklich frei ist in seiner Politik, |
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Deutsch von
Eva Moldenhauer |
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Aus Kursbuch, Sammelband 1, 1965
- 1967 |
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