Und nun sag Du:

Was muß denn noch geschehn,

daß du mal NEIN sagst

zu den Taten dieser Herrn?

 

 

Sag Du´s!

Du Rentner,

der die Früchte lebenslager Arbeit

erntet

und dabei darbt.

Du bist so alt,

Du hast den Bombenkrieg erlebt,

in Bremen, Dresden, anderswo.

Du kennst die Bilder noch,

der Trümmerhaufen

darunter mancher Mensch für immer blieb.

Und siehst sie heute wieder.

Und siehst weg?

 

Sag Du´s!

Du guter Mensch,

der spendet Jahr für Jahr

für Witwen, Waisen, Arme

die hungern in der Welt.

Du weißt,

mit deinem Steuergeld

wird Krieg geführt

in einem nahen Land.

Die Todesvögel machen

Witwen, Waisen, Arme.

Damit dein gutes Herz

sich auch in diesem Jahr erbarme.

Wann, guter Mensch, sag an,

wann sagst Du nein?

 

Sag Du´s!

Du Friedensfreund,

der - lang schon ist es her -

Tücher gegen Raketen

aus dem Fenster - hin zur Straße - hing.

Es sind Raketen,

die den Strom abschalten,

die Wasserwerke schließen,

auch Flüchtlinge beschießen,

kolateral.

Wann hängst Du wieder Fähnlein in den Wind?

Erst

wenn Du merkst,

daß die Raketen

auch auf Dich gerichtet sind?

 

Sag Du´s!

Du Mutter,

die Du Dein Kind

auf Schritt und Tritt bewachst.

Dir Sorgen machst,

wenn´s nicht zur Zeit zu hause ist.

So kennst Du denn die Angst,

die Belgrads Mütter fühlen,

wenn ihre Kinder ihre Köpfe in die Mäntel wühlen,

weil mit dem Unterstand ihr Herz erbebt

und keines weiß, ob es noch lange lebt.

Du kennst die Angst,

warum sagst Du nicht NEIN,

es ist doch lange an der Zeit,

dies NEIN zu schrein...

 

Sag Du´s.

Du junger Mensch

mit grünem Schopf.

Dir ging doch bei der Färberei

was durch den Kopf

so ähnlich wie:

Ich will nicht sein, wie alle hier.

Nun: Alle sind dafür,

daß man zum guten Zweck

ein Volk bombt in den Dreck.

Wann hör ich denn von Dir

ein leises „Nicht mit mir“?

 

Sag Du´s!

Du ZDL.

Der Du den Kriegsdienst mit der Waffe scheust,

stattdessen Irre, Kranke und Behinderte betreust.

Die Nato produziert in Serbien solche Leute.

Was sagt Dir Dein Gewissen also heute?

 

Sag Du´s.

Du Mensch,

der du die Tiere liebst.

Im Winter Enten Futter gibst.

Du hebst Die Stimme gegen Tierversuch und ‑folter.

Du hast ja recht.

Doch wieviel mehr

als jedes Tier

verdient ein Mensch,

daß jemand für ihn spricht.

Doch ach, auch Dein „NEIN“ hör ich nicht.

 

 

                 -r-                                                                               18. August 1999