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Ich finde Marktwirtschaft unsinnig:

Damit das Vermögen einer Familie von Superreichen
mit 12 % statt nur mit 6 % pro Jahr vermehrt wird,
wird 8100 Leuten der Lebensunterhalt – gestrichen:
Sie werden entlassen.

Die Reichen werden deswegen nicht mehr oder besser essen oder wohnen. Das ist sowieso schon seit ihrer Geburt auf´s Feinste geregelt – aber die Familien der Arbeiter werden zunächst mit der Hälfte des Geldes auskommen müssen – der Urlaub findet dann auf dem Balkon statt - und nach einem Jahr werden sie RICHTIG ARM.

Also: Viele werden viel ärmer gemacht,
damit ganz, ganz wenige schneller viel reicher werden,
was an ihrem Lebensstandard aber gar nichts ändert.

Das ist doch Quatsch!

Ein kommunistisch inspiriertes Zerrbild!
Wovon reden Sie, junge Frau ?

Ich rede vom Stellenabbau-Programm bei BMW ...

 

Anmerkungen zum
Stellenabbau-Programm bei BMW

 

 

Die Presse meldet

 

 

Getrübte Freude …

Bei BMW sinken die Gewinnmargen wegen des starken Euro, der steigenden Rohstoffkosten und hoher Rabatte auf wichtigen Absatzmärkten.
Die BMW-Stammaktie entwickelt sich schlechter als der DAX und gemessen am erwarteten Gewinn je Aktie ist BMW mit einem Kurs/Gewinnverhältnis von 11,1 der schlechteste Wert unter den deutschen Autoaktien. …. Die Umsatzrendite vor Steuern ist seit dem Jahr 2000 von 9,2 Pro­zent stetig gesunken und im ersten Halb­jahr 2007 mit 5,5 Prozent auf dem bisher niedrigsten Stand angekommen. ... Mercedes erzielte im Ver­gleichszeit­raum eine Vorsteuermarge von 8,1 Prozent, Audi brachte es auf 6,4 Pro­zent.

Wie soll der Vorstand seinen Großaktionär, die Familie Quandt zufrieden stellen?

FAZ 08.09.2007

 

Die Rendite, das Verhältnis von Profit zu eingesetztem Kapital, sinkt aus verschiedenen Gründen.

 

 

 

Die Familie Quandt ist unzufrieden, weil sie im Jahr 2006 durch ihre BMW-Fabriken nur um 2.870.000.000 Euro reicher geworden ist.

 

Vorweihnachtliche Hiobsbotschaft

Die BMW-Spitze begründet den
Abbau Tausender Arbeitsplätze mit
einer gefährdeten Wettbewerbs­position.

„Wir können nicht so weitermachen wie bisher“, hatte der BMW-Vorstandsvorsitzende Reithofer vor drei Monaten … betont. … jetzt sei … die Wettbewerbs­position in Gefahr geraten – auch weil sich die Rendite-Kennzahlen verschlechterten.
Die Umsatzrendite liegt mit knapp 6 % noch deutlich über dem Metall-Branchendurchschnitt: 3,75%
In der BMW-Chefetage hat man freilich vor allem den Mitbewerber Daimler im Auge, der seine Rendite auf 8 % gesteigert hat.

BMW wolle „mit dem Personaltableau von heute“ mehr Aufgaben erledigen. Im Klartext bedeutet dies weitere Rationalisierung. Auf 10 % wird der Produktivitätsfort­schritt in diesem Jahr beziffert, für 2008 werden weitere 5 % anvisiert.

WK 22.12.2007

 

 

 

Der neue Manager sagt, dass sich etwas ändern MUSS:

 

Am Freitag vor dem Weihnachtswochenende 2007 verrät er, was:

 

Dieselben Leute
sollen einfach
mehr schaffen.

 

Werk München:
Mehr als 1000 Jobs betroffen

In Milbertshofen sind die Mitarbeiter überrascht:
„Das stimmt doch sicher gar nicht“

 „Zeitarbeiter sind dazu da, ein Unternehmen flexibel zu machen - und von dieser Flexibilität machen wir jetzt Gebrauch", erklärte BMW-Sprecher Michael Rebstock. Der Grund sei ein „Produktivitätsfortschritt von zehn Prozent der heuer im Werk er­zielt worden sei. „Unser erklärtes Ziel ist es, jedes Jahr um fünf Prozent besser zu werden", sagte Rebstock. Im Klartext heißt das: Es werden künftig weniger Mit­arbeiter gebraucht, um die gleiche Zahl von Autos zu produzieren....

Manche sind schon durch das Radio oder einen Blick ins In­ternet über den Stellenabbau informiert - und wollen dazu lieber nichts sagen. An­dere können sich Streichungen bei BMW gar nicht vorstellen. „Das stimmt sicher nicht", sagt eine Mitarbeiterin, „vor zwei Wochen war doch erst Betriebsversamm­lung, und da war das kein Thema." Zwei Mitarbeiter aus dem Presswerk beteuern, dass sie sich „keine Sorgen“ um ihre Arbeitsplätze machen: “Unsere Abteilung ist schon sehr schlank geworden.“

Regensburgs Oberbürgermeister: „In mir schlagen zwei Herzen. ... Ich bin daran interessiert, dass sich dieses Werk auf Dauer behauptet, andererseits will ich aber möglichst viele Arbeitsplätze.“

SZ 22./23.12.2007

 

 

Herr Rebstock spricht Klartext,
er unterschlägt nur, dass auch BMW-Arbeiter dazu da sind, das Unternehmen flexibel zu machen. Flexibel bezüglich der Leistungsanforderungen, die es an jeden einzelnen stellt.

Weil die Mitarbeiter von Geschäftsleitung und Betriebsrat so informiert worden sind, dass sie sich nicht beunruhigen,

vor allem aber, weil sie „Optimismus“ entwickelt haben, ohne den man in dieser Welt nicht leben kann,
ohne sich SEHR tiefgreifende Gedanken zu machen,

glauben sie einfach nicht,
dass es sie trifft. Besser:
Sie wollen es nicht glauben

Der OB weiß wohl, dass „möglichst viele Arbeitsplätze“ im Widerspruch zur Durchsetzung in der Konkurrenz stehen. Deswegen bemüht er
die Kraft der zwei Herzen.

 

BMW streicht 8000 Arbeitsplätze

Der Münchner Autohersteller will die Kosten senken. Vom Stellenabbau sind wohl vor al­lem Zeitarbeitskräfte im Werk Leipzig betroffen. Die Gewerk­schaft IG Metall reagiert gelas­sen, die BMW-Aktie steigt.

 

Die IG Metall reagierte am Freitag gelassen auf den geplanten Stellenabbau von BMW „Die Tatsache hat uns nicht überrascht, aber die Höhe", sagte ein Sprecher der IG Metall Bayern. „Wir hat­ten eine Zahl von 3000 bis 5000 erwar­tet." Schon im Mai habe das Unterneh­men in einer Aufsichtsratssitzung die Plä­ne angekündigt. Anfang Dezember seien sie konkretisiert worden.

FAZ 22.12.2007

 

Die Gewerkschaft reagiert gelassen,
die BMW-Aktie steigt.

 

Klar, wenn die IG Metall
es im Mai schon wusste ...
vermutlich ist sie davon ausge­gangen, dass nur Zeitarbeiter betoffen sind. Von denen weiß man ja, dass sie dazu da sind ....

 

BMW verzichtet auf 5000 Zeitarbeiter

Die Kosten steigen, die Rendite sinkt:
Jetzt müssen bei BMW 8100 Mitarbeiter gehen...
Die Beleg­schaft ist verunsichert,
die Gewerkschaft ist empört.

 

Reithofer will mit seiner - „Number One" genannten - Strategie bis zum Jahr 2012 die Umsatzrendite von zuletzt unter 6 Pro­zent auf 10 bis 12 Prozent anheben; das ist das Niveau, das Wettbewerber Mercedes­Benz im abgelaufenen Geschäftsjahr schon erreicht hat. Insgesamt will Reithofer ... 6 Milliarden Euro einspa­ren, den Großteil von 4 Milliarden Euro ... bei der Material­be­schaffung und bei Produktion und Entwicklung.

 

Die IG Metall Bayern kritisierte die Plä­ne als „kurz­fristiges Renditedenken", das die Beschäftigten verun­sichere. Nur Perso­nal abbauen zu wollen sei noch kein tragfä­higes Konzept für die Zukunft, sagte IG­Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer. Der Vorsitzende des BMW-Gesamtbe­triebsrates, Manfred Schoch, forderte die Beschäftigten auf, sich genau zu überle­gen, ob sie einen Aufhebungsvertrag un­terschreiben. Schoch verwies auf die ver­einbarte Beschäftigungssicherung, welche die Arbeitsplätze bei BMW für die nächs­ten sieben Jahre sichere.

FAZ 28.02.2008

 

 

Im Februar ist
die Gewerkschaft
empört,
damit sich die Belegschaft,
die sie vertritt,
auch von ihr vertreten fühlt.

Die Geschäftsleitung kennt die verschiedenen Gründe für den Renditeverfall – sie wird ALLES MÖGLICHE versuchen,
aber ganz sicher managen kann sie nur das eigene Personal.
Und wenn sie Zulieferer erpresst, trifft das in deren Betrieben auch wieder das Personal.

Gut das Manfred Schoch die Beschäftigten aufgefordert hat, sich genau zu überle­gen, ob sie einen Aufhebungsvertrag un­terschreiben. Was täten sie bloß ohne diesen guten Rat?

Und noch besser, dass er auf die ver­einbarte Beschäftigungs­sicherung hinweist – bei einer Personalreduzierung von 8100 Leuten könnte man die sonst vielleicht nicht bemerken.

 

Die Presse kommentiert

Grundsätzlich verstehen die Redakteure, dass etwas passieren MUSS.

 

Der Jobabbau ... ist nicht so dramatisch, wie er sich zunächst anhört: Der größte Teil soll Zeitarbeitsnehmer betreffen ....Dass BMW nichts verdienen würde, kann niemand behaupten. 2,87 Milliarden Euro Überschuss (nach Steuern) waren es 2006. Aber das ist zu wenig, Daimler eilt dem Erzrivalen .... voraus. Das können Vorstände einer börsennotierten AG in dem grossen Hamsterrad, das wir Wirtschaft nennen, nun einmal nicht ignorieren. Deshalb muss aus den BMW-Fabriken bei weniger Personal mehr herausgeholt werden.

WK 22.12.2007

Es ist ja gar nicht so schlimm, es sind ja nur Zeitarbeiter, die sofort woanders arbeiten gehen können. Was? Wo sollen denn über Nacht 8100 neue Arbeitsplätze herkommen?

2,87 Milliarden Euro Überschuss sind zu wenig, ... Deshalb MUSS aus dem BMW-Personal mehr herausgeholt werden

 

Tatsächlich ist BMW in punkto Umsatzrendite vom Erzrivalen Daimler-Benz überholt worden. Noch schlimmer: Der schwache Dollar, die gestiegenen Rohstoff- und Materialkosten, ein zunehmend härterer Wettbewerb auf vielen Märkten und rigide Klimaschutzvorgaben machen es BMW immer schwieriger, überhaupt noch mehr Autos zu verkaufen. Am Ende ist BMW also – genau wie Siemens -  zum Sparen gezwungen.

FAZ 28.02.2008

Dass der BMW-Absatz sich in den letzten Jahren SEHR positiv entwickelt hat, ficht diesen Kommentator nicht an.

Es geht nicht darum „überhaupt noch mehr“ Autos zu verkaufen, sondern um „überhaupt noch mehr“ Geld zu verdienen.

 

In keinem dieser Unternehmen (BMW, Siemens, Henkel) kann von einer echten Krise die Rede sein, die einen schmerzhaften Umbau erforderte. Vielmehr geht es um eine noch höhere Rendite, die die Manager als Getriebene der Finanzmärkte erwirtschaften müssen. ...

Die Arbeitnehmer müssen lernen, dass es (wegen des Interesses an höherer Rendite) immer weniger Sicherheit für sie gibt – selbst ein Rekordgewinn ist keine Jobgarantie mehr".

TAGESSPIEGEL Berlin 28.02.2008

So kommt der Aufschwung bei den Leuten an:
Die einen MÜSSEN höhere Renditen erwirtschaften, weil die Finanzmärkte sie nötigen,
die anderen MÜSSEN lernen, dass sie für höhere Renditen Opfer bringen
und mehr leisten MÜSSEN.

 

BMW muss also reagieren, will der Konzern seine Führungsposition nicht gefährden. Und dies ist wichtig, damit die verbleibenden Arbeitsplätze langfristig gesichert werden.

Die Welt, 22.12.2007

Ah ja, Entlassungen zur Sicherung der Arbeitsplätze.
Das ist schon ein Witz.
Und im nächsten Jahr sind wieder 5 Prozent Produktivitäts­steigerung fest eingeplant ...

Zur Sicherung
der verbleibenden Arbeitsplätze

 

Die IG Metall gibt sich gelassen und heult nicht auf, dass der Speck bei BMW weg muss. Denn die Gewerk­schafter wissen auch: Wer nicht rechtzeitig die Weichen für die Zukunft stellt, den bestraft der Markt. Und Umstrukturierungen nimmt man klugerweise dann vor, wenn es dem Unternehmen gut geht, und nicht, wenn die Schieflage schon eingetreten ist.

LÜBECKER NACHRICHTEN 22.12.2007

Der Speck MUSS weg!
Und wenn er aus 8100 Beschäftigten besteht, dann ist das ganz besonders dringend, weil er nicht nur ungesund, sondern auch teuer ist!
Gut, dass das Management rechtzeitig handelt.

 

Die Manager, denen die Autos jahrzehntelang in der ganzen Welt praktisch aus der Hand gerissen wurden, haben sich nicht genug um die Rationalisierung der Werke gekümmert. Sie glaubten, das beste und flexibelste Fabrik-System der Welt zu besitzen. Sie ruhten sich auf den Lorbeeren aus, die sie in der Vergangenheit einheimsten.

Die Welt, 22.12.2007

Sachlage egal: Das Management hat geschlafen, 10 % Produktivitätsgewinn im letzten Jahr waren doch bei weitem nicht genug – immer nur auf Lorbeeren ausruhen ....

 

Das Personal muss wie bei anderen deutschen Autobauern für die Rendite bluten. Weil es wohl vor allem Leiharbeiter trifft, dürfte das Beispiel BMW auch die Debatte um diese Form der Beschäftigung anheizen. Denn sie dienen offenkundig als kostenlose Manövriermasse beim Stellenabbau, obwohl sie in vielen Fällen seit Jahren die gleiche Arbeit verrichten wie BMW-Stammkräfte.

BADISCHE ZEITUNG 22.12.2007

Das Personal muss wie bei anderen deutschen Autobauern Maschinenbauern Telefonbauern Chemiebauern Kohleabbauern usw. usf. für die Rendite bluten.

Da muss man wirklich mal über Zeitarbeit diskutieren – ausgewogen, versteht sich.

 

 

Mich deucht, die junge Frau hat recht ....

Das ist mir ja klar, aber was soll man denn jetzt machen ?

Na, ja, da gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Was tun ?

Das seh ich mir an, dann sehen wir weiter ....

Das BMW nur nachmacht, was die Konkurrenz vorgemacht hat,
ist hier nachzulesen:

Kapital und Arbeit heute

 

11.03.2008