Bischof Huber verurteilt Leichenschändung durch deutsche Soldaten

epd-LogoKöln (epd). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, hat die mutmaßliche Leichenschändung durch Bundeswehrsoldaten in Afghanistan verurteilt. "Derlei Perversitäten" seien aber keine unausweichliche Folge von Auslandseinsätzen der Bundeswehr, sagte Huber dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Donnerstagsausgabe). "Erschütternde Begleiterscheinungen" solcher Einsätze können nach Hubers Auffassung nicht über die Rechtfertigung des Engagements entscheiden.

Huber sprach sich für die Fortsetzung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan aus,
mahnte aber grundsätzliche Kriterien friedenspolitischer und friedensethischer Verantwortung an. "Es kann nicht sein, dass jede Krise einen Auslandseinsatz rechtfertigt", sagte der Berliner Bischof. Er sehe auch die Gefahr, dass nur solche Krisen wahrgenommen würden, "die sich mit eigenen wirtschaftlichen Interessen verbinden". Ein Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan sei derzeit nicht zu verantworten.

Für die evangelische Kirche hätten gewaltfreie Konfliktlösungen eindeutig Vorrang, betonte Huber. Militärisches Eingreifen allein schaffe keinen Frieden, sondern könne nur Raum schaffen für "politische und zivilgesellschaftliche Initiativen".

25. Oktober 2006

 

 

 

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/686695/

Bischof Huber im DLF-Interview 27.10.2007

 

 

Gornik: Angesichts des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr stellen sich viele Christen wieder die Frage ...: Können Christen überhaupt Soldaten sein, oder ist nicht doch der Friedensdienst mit der Waffe ein deutlicheres Zeichen?

Huber: Dass der Friedensdienst ohne Waffen das deutlichere Zeichen ist, ist ganz gewiss richtig. Nur ist daraus automatisch zu folgern, dass Christen nur das deutlichere Zeichen geben können und sich dem undeutlicherem in jedem Fall weigern müssen? Denn auch wenn der Friedensdienst ohne Waffen das deutlichere Zeichen ist, auch wenn wir alle dafür eintreten, dass gewaltfreie Wege der Konfliktbei­legung den Vorrang haben, können wir nicht davon absehen, dass wir in einer Welt leben, in der Gewalt Realität ist. Und dann genügt es nicht zu sagen, dass ich an dieser Realität keinen Anteil habe, sondern dann muss ich mich fragen, was ich dazu beitrage, dass diese Realität beendet, begrenzt, dass Menschen davon befreit werden, unter ihr zu leiden und ihr Leben zu lassen. Das ist die entscheidende Frage. Und da kommen wir immer wieder auf das Problem der äußersten Möglichkeit, der Ultima Ratio, des letzten Notbehelfs zurück, der in bestimmten Situationen vielleicht unausweichbar erscheint. Das ist die Frage, die sich bei militärischer Gewalt stellt.

 

Ich persönlich bekenne mich dazu, ein Verantwor­tungs­pazifist zu sein.

Ich will den Frieden, nicht den Krieg.

Ich bin davon überzeugt, dass man sagen muss: Wer den Frieden will, muss auch den Frieden vorbereiten. Aber Verantwortungspazifist heißt, dass ich mich nicht zu sehr dafür interessiere, ob ich selber unschuldig durchs Leben gehe, das tue ich sowieso nicht, sondern ob andere Menschen die Chance zum Leben haben, behalten oder wiedergewinnen. Und diese Frage führt dann dazu, dass in bestimmten Situationen der Gewaltanwendung kein letztes Nein entgegengesetzt werden kann. Aber wir reden neu über die Kriterien. Und wenn man die ernst nimmt und eng definiert, müssen wir zugeben, auch in unserer Zeit wird viel Gewalt eingesetzt, auch unter Beteiligung der Bundeswehr, die diesen Kriterien leider nicht genügt.

 

Gornik: Die ethische Kriterienbildung, die ethische Urteilsbildung aus christlicher Verantwortung war unser Thema. "Position beziehen" heißt das neue Buch des Berliner Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz Dr. Wolfgang Huber mit dem Untertitel "Das Ende der Beliebigkeit". Der Band erscheint im Johannis-Verlag. Herzlichen Dank, Herr Bischof!

 

 

 

 

 

epd 25. Mai 2007

 

 

„An Pfingsten gehe es um den Geist des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung. Es gehe um den Geist des Friedens, der aller Gewalt entgegentritt und die Zwietracht überwindet, fügte der Berliner Bischof hinzu.

Der Geist Gottes sei eine Stütze. Als Beispiel nannte Huber die Trauer um die deutschen Soldaten, die bei ihrem Einsatz für den Frieden in Afghanistan ums Leben kamen.