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  Software Ergonomie

[Begriffsbestimmung] [Interaktionsgestaltung] [Merkmale] [verweise]

Im Zuge ihrer stürmischen Entwicklung drang die Informationstechnik in fast alle Bereiche des täglichen Lebens vor. Die ständige Präsenz hat den Benutzern wie auch den Entwicklern bewusst werden lassen: Wie sehr ein Computer den Menschen unterstützt, hängt nicht von den geschickt programmierten Funktionen ab, sondern diese Funktionalität muss so gestaltet sein, dass sie dem Menschen beim Einsatz auch hilfreich ist.

Die Software-Ergonomie hat es sich zum Ziel gemacht, die Eigenschaften eines Dialogsystems an die psychischen Eigenschaften des damit arbeitenden Menschens anzupassen. Nach der Definition von Susanne Maaß, geht es bei "der Software-Ergonomie um eine Optimierung des Zusammenspiels aller Komponenten, welche die Arbeitssituation von Computerbenutzern bestimmen: Mensch, Aufgabe, Technik und organisatorischer Rahmen. Sie beschränkt sich ausdrücklich nicht - wie oft fälschlich angenommen - auf die Behandlung der Präsentationsaspekte interaktiver Software."

Die Software-Ergonomie muss sich als Gestaltungswissenschaft begreifen. Der Ergonom, bzw. der ergonomisch arbeitende Informatiker, wählt aus der Fülle der Mittel, die ihm von der Technologie zur Verfügung gestellt werden, diejenigen aus, welche die Anforderungen der Menschen, deren Arbeit unterstützt werden soll, am besten befriedigen. Dabei muss er sich nicht nur der technischen Möglichkeiten bewusst sein, sondern auch die tatsächlichen Arbeitsverhältnisse der Anwender kennen und berücksichtigen. Drei Gestaltungsfelder sind bedeutsam:

Sie bestimmen die Benutzungsoberfläche als den für den Benutzer sichtbaren Teil der Benutzerschnittstelle eines interaktiven Systems. Ein weiteres Arbeitsgebiet ist die Methoden- und Werkzeugentwicklung zur Implementierung von Benutzerschnittstellen.

Die Kenntnis der Anforderungen und der technischen Möglichkeiten gilt es einzusetzen, um die Produkte zu entwerfen, zu konstruieren und durch Erprobung zur Reife zu bringen, welche für den Benutzer die größtmögliche Nützlichkeit ergeben. Normen und Richtlinien geben dabei Anhaltspunkte und Hinweise, um grobe Fehler zu vermeiden. Sie sichern zudem die Einheitlichkeit und somit die Konsistenz. Aber stumpfe Normenkonformität kann die schöpferische Entwicklungsarbeit nicht ersetzen, die zu innovativer Arbeitsgestaltung führt.

 

Versuch einer Begriffsbestimmung

Software-Ergonomie ist eine Wissenschaft, die sich mit der menschengerechten und benutzerfreundlichen Gestaltung interaktiver Programmsysteme im Rahmen computergestützter Arbeit befasst. (Meint: Computerfunktionalität taugt zum Einsatz.) Ergonomie verwendet wissenschaftliche Erkenntnisse, um Arbeitsaufgaben, Arbeitsumgebungen und Produkte an die physischen und mentalen Fähigkeiten sowie den Grenzen des Menschen anzupassen, so eine Definition der ISO. Daher fließen in der Software-Ergonomie auch Erkenntnisse aus
Ergonomie u. Ergonomik =
   Wissenschaft von den Leistungs-
   möglichkeiten und -grenzen
   des arbeitenden Menschen sowie
   der besten wechselseitigen
   Anpassung zwischen dem Menschen
   u. seinen Arbeitsbedingungen

   nach Duden, Bd. 5,
      Das Fremdwörterbuch.

zusammen, um Gestaltungsziele für aufgabenangemessene und benutzergerechte Mensch-Computer-Arbeitssysteme zu entwickeln. Hierdurch soll Gesundheit, Sicherheit, Wohlbefinden und Leistungsvermögen des Benutzers verbessert werden.

Die meisten Ergebnisse der Software-Ergonomie, lassen sich in die Kategorie "Richtlinien" oder "Normen" einordnen. Anfangs war der Begriff Software-Ergonomie noch recht unscharf definiert und ungefähr seit 1990, seitdem graphische Benutzerschnittstellen kostengünstig verfügbar sind, hat sich die Bedeutung verstärkt. Aufgrund der mittlerweile stark ausgebreiteten Nutzung interaktiver, grafikfähiger Systeme ist die Umsetzung der Erkenntnisse praktisch zu einer Voraussetzung für die Erstellung guter Programme geworden.

Heutzutage kann es sich kein Softwareanbieter mehr erlauben, Anwendungsprogramme zu erstellen, ohne dabei auf software-ergonomischen Kriterien zu achten, da es wohl unumstritten ist, dass die Gebrauchstauglichkeit von "Mensch-Computer-Systemen" maßgeblich durch die Gestaltung der "Mensch-Computer-Interaktion" (MCI, engl.: HCI, human...) bestimmt wird. Das Ausmaß an ergonomischer und menschengerechter Gestaltung entscheidet auch meist über Erfolg von Systemen, wie der Apple Macintosh gezeigt hat. Ein Softwareprodukt ist eben nur so gut, wie seine Benutzer damit umgehen können.

Tatsächlich kann nichtergonomisch gestaltete Software zu erhöhten Belastungen führen. Das kann sein: Kopfschmerzen, Augenflimmern, Streß und Zeitdruck und bei längerer anhaltender Dauer oder ständiger Wiederkehr auch zu körperlichen Beschwerden. Um die Benutzer zu schützen, wurde die ergonomische Gestaltung von Software durch die Bildschirmarbeitsverordnung auch zu rechtsverbindlichen Mindestanforderungen erklärt, die bei der Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen einzuhalten sind.

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Grundsätze der Interaktionsgestaltung

Das primäre Ziel der Software-Ergonomie ist die Anpassung von interaktiven Computersystemen an den Menschen (nicht umgekehrt!) um dadurch das effektive und effiziente Erreichen bestmöglicher Arbeitsergebnisse unter menschengerechten Bedingungen zu ermöglichen. Gleichzeitig soll dem Benutzer der erforderliche Handlungsspielraum und -kompetenz eingeräumt werden.

Für die Orientierung bei der Erstellung von Dialogabläufen bietet die ISO 9241 sieben Grundsätze der Dialoggestaltung. Wie es für Prinzipien üblich ist, bieten sie keine konkrete Handlungsorientierung, sondern sollen richtungsweisend bei Entscheidungen im Einzelfall sein:

1. Aufgabenangemessenheit
Ein Dialog ist in dem Maße aufgabenangemessen, wie er den Benutzer unterstützt, seine Arbeitsabläufe effektiv und effizient zu erledigen.
Hierfür ist eine gute Kenntnis der Arbeitsaufgaben erforderlich, auf deren Basis konkret entschieden werden kann, ob ein Dialog(schritt) für die Arbeitserledigung angepaßt ist.
2. Selbstbeschreibungsfähigkeit
Ein Dialog ist in dem Maße selbstbeschreibungsfähig, wie jeder einzelne Dialogschritt durch Rückmeldung unmittelbar verständlich ist oder dem Benutzer erklärt wird, wenn er die entsprechende Information verlangt.
Dies versetzt den Benutzer in die Lage jederzeit den Zustand seines Dialoges und wie es dazu kam zu erkennen, ohne sich in besonderen Maße erinnern zu müssen.
3. Steuerbarkeit
Ein Dialog ist in dem Maße steuerbar, wie der Anwender in der Lage ist, den gesamten Dialogablauf zu beeinflussen.
Dies heißt: Der Benutzer bestimmt Arbeitstempo sowie Einsatz und Reihenfolge der Arbeitsmittel, aber auch die Art und Weise der Rückmeldungen des Systems.
4. Erwartungskonformität
Ein Dialog ist in dem Maße erwartungskonform, wie er den Kenntnisse aus bisherigen Arbeitsabläufen, der Ausbildung und den Erfahrungen des Benutzers sowie allgemein anerkannten Konventionen entspricht.
Dies soll sicherstellen, dass das Dialogsystem die Erwartungshaltung des Benutzers, die er sich durch Ausbildung, Erfahrung und Kenntnis von Konventionen erworben hat, im wesentlichen erfüllt.
5. Fehlerrobustheit (-toleranz)
Ein Dialog ist in dem Maße fehlerrobust, wie das beabsichtigte Arbeitsergebnis trotz erkennbar fehlerhafter Eingaben mit minimalen oder ganz ohne Korrekturaufwand erreicht wird.
Das Dialogsystem soll Fehlersituationen möglichst vermeiden oder auffangen und bei der Behebung helfen, so dass das Arbeitsergebnis ohne großen Schaden dennoch erreicht werden kann.
6. Individualisierbarkeit
Ein Dialog ist in dem Maße individualisierbar, wie er Anpassungen an individuelle Benutzerbelange und Benutzerfähigkeiten in Hinblick auf seine Arbeitsaufgabe zuläßt.
Hierdurch wird der Benutzer in die Lage versetzt das Dialogsystem den Arbeitserfordernissen oder seinen Bedürfnissen und Fertigkeiten anzupassen.
7. Lernförderlichkeit
Ein Dialog ist in dem Maße lernförderlich, wie er dem Benutzer während des Erlernens Unterstützung und Anleitung gibt.
Der Benutzer soll es hierdurch leichter haben ein mentales Modell des Systems zu bilden und somit die Anwendung besser zu verstehen und die Bedienung besser zu erinnern.
Tabelle: Grundsätze der Dialoggestaltung.

Diese Prinzipien können in der Gestaltung von Dialogsystemen nicht immer gleich gewichtig sein, so dass im konkreten Fall abzuwägen ist, welchem Kriterium der Vorrang zu gewähren ist. Hierzu können Szenarien surchgespielt werden, bei denen die jeweiligen Wirkungen untersucht werden können. In vielen Projekten können auch hierfür grobe Richtlinien bereist im Vorfeld aufgestellt werden.

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Merkmale ergonomischer Software

Geht es um die Qualität der benutzergerechten Gestaltung von Software, so sind nach Oberquelle, insbesondere die folgenden vier Aspekte zu beachten:

Die meist gebrauchten Schlagworte sind Nützlichkeit (utility) und Gebrauchstauglichkeit (usability), aber das eigentliche Schlagwort der Software-Ergonomie lautet(e) Benutzerfreundlichkeit, unter diesem Begriff wurden die Aktivitäten zur Verbesserung der Arbeitsqualität in den 80'iger Jahren vorangetrieben.

Bevor man Kriterien für die Gebrauchstauglichkeit eines Produktes aufstellen kann, muss man sich mit den Prinzipien der menschlichen Informationsverarbeitung auseinandersetzen. Dieses hat Eberhard Ulichs (nicht nur) in seinem Buch zur Arbeitspsychologie getan und gibt durch seine "Aspekte der Benutzerfreundlichkeit" einige Kriterien der benutzerorientierten Dialoggestaltung vor.

Um seine Kriterien einzuordnen, stellt Ulich drei Kategorien auf, denen ein Kontrollkonzept zugrundeliegt. Er stellt diese Regeln nicht als Ergebnis der Forschung der Software-Ergonomie auf, sondern als arbeitspsychologisches Ergebnis. Somit sind hierdurch primär Kriterien für die Arbeitsgestaltung aufgeführt. An anderer Stelle sagt Ulich aber auch, dass Softwareerstellung immer auch Arbeitsgestaltung ist, daher sind diese Kriterien auch auf die Gestaltung von Computerprogrammen anwendbar.

Benutzerorientierter Dialog
Aufgabenorientierung

  • Ganzheitlichkeit
  • Anforderungsvielfalt
  • Interaktionsmöglichkeiten
  • Lernpotential
  • Autonomie
  • Kalkulierbarkeit
    als Voraussetzung für Kontrolle
  • Transparenz
  • Konsistenz
  • Toleranz
  • Kompatibilität
  • Unterstützung
  • Kontrolle

  • Flexibilität
  • Wahlmöglichkeiten
  • Individualisierung
  • Partizipation
  • Abbildung: Merkmale benutzerorientierte Dialoggestaltung nach Ulich

    Beispielhaft sollen die Kriterien für die Kalkulierbarkeit etwas eingehender betrachtet werden und Hinweise zur Beurteilung und Gestaltung eines benutzerorientierten Dialoges gegeben werden:

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    Verweise
     
    Richtlinien, Normen und Gesetze
    Bei der Softwareentwicklung bieten Normen und Richtlinien die Möglichkeit Erfahrungen in die Gestaltung benutzerfreundlicher Schnittstellen einzubringen. Zum Anderen bieten sie die Möglichkeit, die Schnittstellen zu vereinheitlichen und erhöhen damit die Konsistenz der Anwendungen.

    ... nach draußen:
    Software-Ergonomie und WWW (www.zmms.tu-berlin.de/LINKS/w3_w3softerg.html)
    10 WWW Ergonomie-Leitlinien (vsys-www.informatik.uni-hamburg.de/ergonomie)
    Software-Ergonomie-News (www.sw-ergo.de)
    Software-Ergonomie.com (www.software-ergonomie.com)
    (Ich bin nicht verantwortlich für Inhalte externer Internetseiten.)
     

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    [Seitenanfang] geändert: 01.12.2010 by hgm © 2001, Hans-G. Mekelburg, all rights reserved.
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